Thomas' Gegenzug

Chapter 08 - Thomas' Gegenzug
Am Montagmorgen erhielt ich einen Anruf von Dr. Aydin, ihre Stimme ungewöhnlich angespannt.
"Frau Falkenrath, wir haben ein Problem. Herr Thomas Falkenrath hat gestern Abend eine eigene, unabhängige Prüfung durch die Kanzlei Wehrle beauftragt, mit dem Auftrag, unsere bisherigen Ergebnisse zu überprüfen und, seinen Worten nach, 'methodische Mängel' aufzudecken."
"Kann er das, ohne meine Zustimmung als Mehrheitsgesellschafterin?"
"Formal ja, solange er es aus eigenen Mitteln finanziert und nicht als Unternehmensausgabe deklariert. Er versucht offenbar, unsere Ergebnisse in Zweifel zu ziehen, bevor sie irgendwo offiziell vorgelegt werden."
Ich bedankte mich für die Information und legte auf, dachte einen Moment nach, dann rief ich Daniel an.
"Thomas hat eine Gegenprüfung beauftragt."
"Das war zu erwarten," sagte Daniel. "Es ist eine klassische Verzögerungstaktik. Er kann nicht verhindern, dass ihr Beweise habt, aber er kann versuchen, genug Zweifel zu säen, dass eine spätere rechtliche Auseinandersetzung sich hinzieht, während er Zeit gewinnt, weitere Spuren zu verwischen."
"Was mache ich jetzt?"
"Nichts überstürzen. Lass Dr. Aydin ihre Arbeit sauber und vollständig dokumentiert abschließen. Je gründlicher und nachvollziehbarer ihre Methodik ist, desto weniger Angriffsfläche bietet sie für eine Gegenprüfung."
Am selben Nachmittag rief mich Ingrid an, diesmal ohne jede Sanftheit in der Stimme.
"Sophie, du treibst das zu weit. Thomas ist außer sich."
"Ingrid, ich habe lediglich eine reguläre Prüfung beauftragt. Dass Thomas eine Gegenprüfung finanziert, ist seine Entscheidung, nicht meine."
"Weißt du, was das für diese Familie bedeutet, wenn das öffentlich wird? Fünfzig Jahre Reputation, zerstört wegen ein paar Rechnungen?"
"Ein paar Rechnungen, Ingrid, belaufen sich derzeit auf über zwei Millionen Euro, über zwölf Jahre, beginnend unter der Führung deines Mannes."
Am anderen Ende der Leitung herrschte eine Stille, die länger dauerte als jede zuvor.
"Das ist nicht wahr," sagte sie schließlich, aber ihre Stimme hatte ihre gewohnte Festigkeit verloren.
"Ich habe die vorläufigen Berichte, Ingrid. Ich zeige sie dir gerne, wenn du bereit bist, sie dir anzusehen, anstatt mich zu bitten, die Prüfung einzustellen."
Sie legte auf, ohne sich zu verabschieden.
Am Abend, allein zu Hause, öffnete ich Markus' Notizbuch erneut und blätterte zu einer Seite, die ich zuvor übersprungen hatte, weil die Handschrift dort besonders eilig wirkte.
"Falls mir etwas zustößt, bevor ich das klären kann: Sophie soll die Mehrheit behalten. Sie ist die Einzige in dieser Familie, die einer Zahl nicht misstraut, nur weil sie unbequem ist."
Ich saß lange mit dieser Zeile da.
Mein Mann hatte gewusst, was auf mich zukommen könnte, lange bevor es begann. Er hatte mir nicht nur Anteile hinterlassen. Er hatte mir eine Aufgabe hinterlassen, in dem Vertrauen, dass ich sie zu Ende bringen würde, ohne mich von Emotionen oder familiärem Druck ablenken zu lassen.
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Ich würde ihn nicht enttäuschen.
Keep reading Part 9 — denn die Gegenprüfung von Thomas' eigener Kanzlei bringt ein Ergebnis hervor, das niemand erwartet hatte, am wenigsten Thomas selbst.