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Die zweite Firma

Chapter 06 - Die zweite Firma

Die vollständige Belegprüfung dauerte zwei Wochen.

Ich arbeitete abends, nach den offiziellen Bürozeiten, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen, und verglich jede Rechnung mit den entsprechenden Lieferscheinen, Lagerbüchern und Bankauszügen.

An einem Donnerstagabend, allein im Büro, fand ich die zweite Auffälligkeit.

Eine Firma namens "Süddeutsche Werkstoff-Logistik", die seit über drei Jahren Transportdienstleistungen für die Falkenrath Präzisionstechnik erbrachte, wies auffällig runde Rechnungsbeträge auf, jeden Monat exakt zwischen achttausend und neuntausend Euro, immer knapp unter der Schwelle, ab der eine zweite Unterschrift erforderlich gewesen wäre.

Ich prüfte das Handelsregister erneut.

Geschäftsführerin: eine Frau Petra Vogel.

Derselbe Nachname wie bei der ersten Firma am Bodensee.

Ich rief Daniel an, diesmal später am Abend, aber er nahm sofort ab.

"Zwei Firmen, beide mit dem Namen Vogel verbunden," sagte ich. "Die zweite existiert seit drei Jahren, nicht nur seit achtzehn Monaten."

"Drei Jahre," wiederholte Daniel. "Das bedeutet, das hier ist kein spontaner Fehltritt, sondern ein etabliertes System."

"Was schlägst du vor?"

"Bevor du irgendjemanden direkt konfrontierst, brauchst du eine vollständige forensische Prüfung, professionell dokumentiert, die vor Gericht Bestand hätte, falls es dazu kommt. Ich kenne eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Frankfurt, die auf genau solche Fälle spezialisiert ist."

"Wird das nicht auffallen, wenn externe Prüfer im Haus auftauchen?"

"Nicht, wenn du es als reguläre Sorgfaltsprüfung im Rahmen des Gesellschafterwechsels deklarierst. Das ist üblich und rechtlich unauffällig, wenn ein Unternehmen den Mehrheitseigentümer wechselt."

Am nächsten Morgen beauftragte ich offiziell, in meiner Funktion als Mehrheitsgesellschafterin, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Reinhardt & Kollegen, mit einer vollständigen Prüfung sämtlicher externer Lieferantenverträge der letzten fünf Jahre.

Thomas erschien noch am selben Nachmittag in meinem Büro, ohne anzuklopfen.

"Ich höre, du hast externe Prüfer beauftragt."

"Das ist bei einem Eigentümerwechsel üblich, Thomas. Nichts Ungewöhnliches."

"Für ein Unternehmen, das seit fünfzig Jahren familiengeführt ist, ist es sehr wohl ungewöhnlich, plötzlich Fremde in unsere internen Unterlagen schauen zu lassen."

Seine Stimme blieb kontrolliert, aber ich bemerkte, wie seine rechte Hand sich leicht um den Türrahmen schloss, fester als nötig.

"Wenn es nichts zu finden gibt, Thomas, wird die Prüfung schnell und unauffällig abgeschlossen sein. Wenn du dir Sorgen machst, sollten wir vielleicht beide herausfinden, warum."

Er hielt meinem Blick einen Moment stand, dann lächelte er, dasselbe kontrollierte Lächeln wie beim ersten Gespräch im Flur.

"Natürlich. Ich habe keinerlei Bedenken."

Nachdem er gegangen war, notierte ich mir in meinem Fall-Notizbuch: "Reaktion überproportional zur Routine-Natur der Maßnahme. Verdacht bestätigt sich weiter."

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Ich schrieb die Zeile ohne Genugtuung. Nur mit der ruhigen Gewissheit einer Buchhalterin, die eine Bilanz Stück für Stück zum Ausgleich bringt.

Keep reading Part 7 — denn die forensische Prüfung fördert ein Muster zutage, das bis in die Zeit von Markus' Vater zurückreicht.

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