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Die Entscheidung

Chapter 10 - Die Entscheidung

Zwei Tage nach dem Treffen bat ich Daniel, mich in seiner Kanzlei zu treffen, um die rechtlichen Optionen im Detail durchzugehen.

"Du hast im Wesentlichen drei Möglichkeiten," sagte er, während er eine Tabelle vor mir ausbreitete. "Erstens, eine formelle Strafanzeige wegen Untreue, mit allen öffentlichen und familiären Konsequenzen, die das mit sich bringt. Zweitens, eine zivilrechtliche Rückforderung, verbunden mit dem sofortigen Ausschluss von Thomas aus der Geschäftsführung, aber ohne strafrechtliche Verfolgung. Drittens, eine rein interne Regelung, mit Rückzahlung und stillem Rücktritt, ohne dass die Öffentlichkeit oder die Belegschaft je davon erfährt."

"Was würdest du an meiner Stelle tun?"

Daniel lehnte sich zurück.

"Das ist keine rein juristische Frage mehr, Sophie. Das ist eine Frage, was für ein Unternehmen du in Zukunft führen willst, und was für eine Botschaft du an die verbleibende Belegschaft senden möchtest."

Ich dachte an die zweiunddreißig Mitarbeiter der Ersatzteilabteilung, an Frau Bergmann, die seit zwanzig Jahren loyal für die Familie arbeitete, an Markus, der lieber diskret geklärt hätte, was er entdeckt hatte, um den Familienfrieden zu wahren, wenn möglich.

Aber Markus war tot, teilweise, weil er versucht hatte, genau das zu tun: leise, diskret, ohne Aufsehen.

"Ich möchte keine Strafanzeige," sagte ich schließlich. "Nicht, weil ich Thomas schonen will, sondern weil ein langwieriges Strafverfahren die Firma und alle Mitarbeiter Jahre kosten würde, ohne dass am Ende das Geld tatsächlich zurückfließt."

"Und die zivilrechtliche Option?"

"Vollständige Rückzahlung, über einen realistischen Zeitraum, gesichert durch Thomas' eigene Vermögenswerte, einschließlich der Immobilie am Bodensee. Sofortiger und unwiderruflicher Ausschluss aus jeglicher Geschäftsführungsposition. Und eine klare, schriftlich dokumentierte Feststellung der Verantwortlichkeit, die im Gesellschafterkreis archiviert wird, falls sich jemals jemand fragen sollte, warum diese Entscheidung getroffen wurde."

Daniel nickte langsam.

"Das ist eine kühle, aber faire Lösung. Nicht rachsüchtig, aber auch nicht nachsichtig."

"Ich bin keine rachsüchtige Person, Daniel. Ich bin Buchhalterin. Ich möchte, dass am Ende die Zahlen wieder aufgehen, für alle Beteiligten, so gerecht wie möglich."

Am Abend rief ich Ingrid an, um ihr meine Entscheidung mitzuteilen, bevor ich sie formell in die Wege leitete.

"Ich werde keine Strafanzeige stellen," sagte ich. "Aber Thomas wird die volle Summe zurückzahlen, gesichert durch sein Vermögen, und er wird die Geschäftsführung dauerhaft verlassen."

Ingrid schwieg lange.

"Das ist... fairer, als ich erwartet hatte," sagte sie schließlich. "Ich hatte angenommen, du würdest die ganze Familie öffentlich bloßstellen wollen."

"Das war nie mein Ziel, Ingrid. Mein Ziel war immer nur, herauszufinden, was wirklich passiert ist, und dafür zu sorgen, dass es nicht weitergeht."

"Markus hätte diese Lösung gemocht," sagte sie leise. "Er war nie jemand, der Vergeltung suchte. Nur Klarheit."

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Es war das erste Mal, dass Ingrid etwas Persönliches über ihren Sohn sagte, seit seinem Tod, ohne die übliche Kontrolle in ihrer Stimme.

Keep reading Part 11 — denn bevor die Regelung endgültig unterzeichnet wird, muss ich Thomas noch ein letztes Mal persönlich gegenübertreten.

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