Erste Unstimmigkeiten

Chapter 02 - Erste Unstimmigkeiten
Das Büro der Falkenrath Präzisionstechnik lag im selben Gebäude wie vor fünfzehn Jahren, als ich Markus zum ersten Mal dort besucht hatte.
Die Sekretärin, Frau Bergmann, stand auf, als ich eintrat, unsicher, ob sie mich begrüßen oder kondolieren sollte.
"Frau Falkenrath. Wir haben Sie... nicht so früh erwartet."
"Ich möchte mir die Quartalsberichte der letzten zwei Jahre ansehen. Alle Abteilungen."
Sie zögerte.
"Herr Thomas hat gesagt, Sie bräuchten erstmal Zeit, um sich zu... sammeln."
"Das ist sehr freundlich von Herrn Thomas. Aber ich bin jetzt Mehrheitsgesellschafterin, und ich möchte die Berichte sehen."
Sie brachte mir die Ordner, mit einem Blick, der mir sagte, dass diese Anfrage im Haus bereits die Runde machen würde, bevor ich mein Büro überhaupt erreicht hatte.
Ich verbrachte den Nachmittag damit, Zahlen mit Zahlen zu vergleichen. Das ist meine Art zu trauern, vermute ich. Andere Menschen weinen. Ich sortiere.
Gegen sechzehn Uhr fiel mir zum ersten Mal etwas auf.
Die Abteilung für Ersatzteile hatte in den letzten achtzehn Monaten regelmäßig Zahlungen an einen externen Lieferanten namens "Rheinmetall Komponenten GmbH" getätigt.
Der Name klang plausibel. Zu plausibel, vielleicht.
Ich öffnete das Handelsregister online und suchte nach der Firma.
Gegründet vor neunzehn Monaten. Ein Monat, bevor die Zahlungen begannen.
Der eingetragene Geschäftsführer: ein Name, den ich nicht kannte, ein gewisser Herr Vogel.
Aber die eingetragene Adresse war mir vertraut. Es war die Adresse von Thomas' Ferienwohnung am Bodensee.
Ich lehnte mich zurück, betrachtete die Zahlen lange.
Es konnte ein Zufall sein. Adressen wurden manchmal aus praktischen Gründen geteilt, Steuerberater nutzten gelegentlich Zweitadressen für Gründungen.
Aber Markus' Notiz stand mir noch klar vor Augen. "Die Zahlen bei Thomas stimmen seit achtzehn Monaten nicht mehr überein."
Achtzehn Monate. Exakt der Zeitraum der ersten Zahlung an diese neue Firma.
Ich schloss den Ordner, ohne eine Kopie zu machen. Noch nicht. Ich wollte erst mehr wissen, bevor ich irgendjemandem gegenüber eine Vermutung äußerte, die sich als falsch herausstellen könnte.
Auf dem Weg zum Ausgang traf ich Thomas im Flur.
"Na, wie war Ihr erster Tag als Chefin?" Seine Stimme war freundlich, fast beiläufig.
"Informativ."
"Sie sollten sich nicht zu sehr in Details verlieren, Sophie. Das Unternehmen läuft seit fünfzig Jahren gut, auch ohne dass jemand jeden Beleg einzeln prüft."
"Ich prüfe Belege beruflich. Das ist keine Belastung für mich, das ist meine Stärke."
Er lächelte, ein Lächeln, das nicht ganz seine Augen erreichte.
"Natürlich. Ich meinte es nur gut."
Ich nickte, ging weiter, ohne eine Miene zu verziehen.
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Aber ich merkte mir jedes Wort. In meinem Beruf lernt man, dass Menschen, die einen bitten, nicht so genau hinzusehen, meist der Grund sind, warum man genauer hinsehen sollte.
Keep reading Part 3 — denn die Firma am Bodensee ist nur die erste von mehreren Spuren, die ich in den nächsten Tagen finde.