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Die Spur am Bodensee

Chapter 03 - Die Spur am Bodensee

An diesem Wochenende fuhr ich, ohne es jemandem zu sagen, zum Bodensee.

Die Ferienwohnung, auf die die "Rheinmetall Komponenten GmbH" eingetragen war, lag in einem ruhigen Wohnkomplex mit Blick auf den See. Ich parkte auf der gegenüberliegenden Straßenseite und beobachtete das Gebäude eine Weile, bevor ich zum Hausmeister ging.

"Ich suche nach einer Firma, die hier gemeldet sein soll," sagte ich, und zeigte ihm ein Foto des Handelsregisterauszugs. "Rheinmetall Komponenten."

Der Hausmeister, ein älterer Mann mit ruhiger Stimme, schüttelte den Kopf.

"Hier gibt es keine Firma. Nur Ferienwohnungen. Die Nummer sechzehn gehört einem Herrn Falkenrath, aber der ist selten hier."

"Kennen Sie einen Herrn Vogel?"

"Vogel..." Er dachte nach. "Ja, der kommt manchmal mit Herrn Falkenrath vorbei. Ich dachte, das wäre ein Geschäftsfreund."

Ich bedankte mich, kehrte zum Auto zurück, und begann auf dem Rückweg nach Ludwigsburg systematisch zu ordnen, was ich wusste.

Erstens: Die Firma existierte nur auf dem Papier, mit einer Adresse, die keine echten Geschäftsräume hatte.

Zweitens: Der eingetragene Geschäftsführer, Herr Vogel, war offenbar ein Bekannter von Thomas, kein unabhängiger Unternehmer.

Drittens: Über achtzehn Monate hatte die Ersatzteilabteilung der Falkenrath Präzisionstechnik regelmäßige Zahlungen an diese Firma geleistet, für angeblich gelieferte Komponenten.

Zu Hause rief ich meinen alten Studienfreund an, Daniel Kessler, mittlerweile Fachanwalt für Wirtschaftsstrafrecht in Stuttgart.

"Sophie. Es tut mir leid wegen Markus."

"Danke, Daniel. Ich brauche deinen Rat, beruflich."

Ich erklärte ihm, was ich gefunden hatte. Er hörte zu, ohne mich zu unterbrechen, was ich an ihm schon immer geschätzt hatte.

"Wenn das stimmt, was du beschreibst," sagte er schließlich, "dann sieht das nach einer klassischen Scheinrechnungs-Konstruktion aus. Eine Firma, die keine echten Leistungen erbringt, aber regelmäßig Rechnungen stellt, um Geld aus dem Unternehmen abzuziehen."

"Wie viel könnte über achtzehn Monate zusammenkommen?"

"Das kommt auf die Höhe der einzelnen Zahlungen an. Aber bei einem mittelständischen Unternehmen wie eurem, könnten das leicht mehrere hunderttausend Euro sein, ohne dass es in der Bilanz sofort auffällt, solange die Beträge unter der Prüfschwelle bleiben."

Ich dachte an Markus' Notizbuch.

"Mein Mann hat das offenbar auch vermutet, kurz bevor er starb."

Am anderen Ende der Leitung herrschte kurz Stille.

"Sophie, hast du einen Grund anzunehmen, dass sein Tod damit zusammenhängt?"

Die Frage traf mich unerwartet hart, aber ich zwang mich, sie sachlich zu betrachten, wie ich es mit jeder Zahl tat, die nicht aufging.

"Er hatte seit Jahren einen unbehandelten Bluthochdruck, gegen jeden ärztlichen Rat. Der Herzinfarkt war medizinisch nachvollziehbar. Ich glaube nicht an eine Verschwörung, Daniel. Ich glaube nur, dass er etwas wusste, das er noch klären wollte, bevor er es mir erzählte."

"Dann lass uns das zu Ende bringen, was er begonnen hat. Aber vorsichtig, Sophie. Wenn Thomas merkt, dass du ihm auf der Spur bist, wird er Beweise verschwinden lassen, bevor du genug in der Hand hast."

Ich legte auf und blieb lange am Küchentisch sitzen, das Notizbuch meines Mannes vor mir.

Ich würde nicht schreien. Ich würde nicht anklagen, bevor ich sicher war.

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Ich würde einfach weiter rechnen, bis die Zahlen keine andere Erklärung mehr zuließen.

Keep reading Part 4 — denn die nächste Unterlage, die ich finde, verändert alles, was ich über Markus' letzte Monate zu wissen glaubte.

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