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Vanessas Rolle

Chapter 05 - Vanessas Rolle

Zwei Tage nach meiner Entdeckung über den Treuhandfonds rief mich eine gemeinsame Freundin, Sophie, zögernd an.

"Lena, ich weiß nicht, ob ich dir das sagen soll, aber... Vanessa hat mich vor drei Wochen gefragt, ob ich einen guten Familienanwalt kenne. Wegen einer Sorgerechtsgeschichte, sagte sie, aber sie hat nie genau gesagt, um wen es geht."

Ich setzte mich, das Notizbuch vor mir aufgeschlagen.

"Hat sie noch etwas anderes gesagt?"

"Sie erwähnte, deine finanzielle Situation sei 'instabil', seit du deine Stunden im Krankenhaus reduziert hast, um dich um Finn zu kümmern. Sie schien... irgendwie eine Akte vorzubereiten."

Nachdem ich aufgelegt hatte, las ich meine Notizen der letzten fünf Tage unter einem anderen Blickwinkel.

Vanessa war nicht einfach eine gleichgültige Zuschauerin auf diesem Küchenhocker gewesen. Sie hatte methodisch das Bild einer nachlässigen Mutter aufgebaut, in Vorbereitung auf die Familienratssitzung.

Ich rief Julian an.

"Deine Schwester hat nach einem Familienanwalt gesucht. Sie hat eine Akte gegen mich aufgebaut."

"Woher weißt du das?"

"Sophie hat es mir bestätigt. Vanessa hat sie vor drei Wochen nach meiner 'instabilen Situation' gefragt."

Julian seufzte, lange.

"Vanessa hat Spielschulden, Lena. Ich habe das gerade von einem gemeinsamen Freund erfahren. Erhebliche Schulden, mehrere zehntausend Euro. Wenn Mama die Kontrolle über Finns Fonds als alleinige Verwalterin bekäme, könnte sie leicht einen Teil davon abzweigen, um Vanessa unter dem Deckmantel von 'Verwaltungskosten der Familie' zu helfen."

Alles fügte sich zusammen, Stück für Stück, wie die Ergebnisse eines Blutbildes, die einzeln betrachtet harmlos erscheinen, aber zusammen eine klare Diagnose ergeben.

"Julian, wir müssen auch einen Anwalt einschalten. Vor der Ratssitzung."

"Ich weiß," sagte er. "Ich rufe morgen früh Rechtsanwalt Berger an."

In dieser Nacht, als ich Finn zudeckte, fragte er mich mit seiner noch von der Krankheit müden Stimme:

"Mama, warum waren Tante Vanessa und Oma nicht nett zu mir?"

Ich setzte mich auf den Rand seines Bettes, suchte nach den richtigen Worten.

"Ich glaube, sie hatten Probleme, mit denen sie nicht richtig umgehen konnten, mein Schatz. Das ist nicht deine Schuld."

"Papa hat sie geschimpft."

"Ja. Und das war richtig so."

"Hast du noch Angst?"

Ich lächelte, trotz der Erschöpfung dieser Woche.

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"Nein, Finn. Diesmal habe ich keine Angst. Ich sorge nur dafür, dass es nie wieder passiert."

Lesen Sie weiter in Teil 6 — denn Rechtsanwalt Berger wird uns offenbaren, dass Sabines Antrag beim Familienrat viel weiter fortgeschritten ist, als wir dachten.

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