Die Ratssitzung

Chapter 10 - Die Ratssitzung
Die Sitzung fand im Büro des Familiennotars, Notar Weber, statt, in Anwesenheit von drei Ratsmitgliedern: einem Onkel Julians, einer älteren Cousine, und Notar Weber selbst als Sitzungsvorsitz.
Sabine saß aufrecht, in dunklem Kostüm, das Gesicht gefasst. Vanessa, neben ihr, wirkte deutlich angespannter als ihre Mutter.
"Wir sind versammelt," begann Notar Weber, "um über den Antrag von Frau Sabine Falkner zu entscheiden, alleinige Verwalterin des Treuhandfonds von Finn Falkner zu werden, anstelle der derzeitigen gemeinsamen Verwaltung."
"Bevor wir beginnen," sagte Rechtsanwalt Berger, an meiner Seite, "möchten wir Elemente vorlegen, die die Grundlage dieses Antrags in Frage stellen."
Er verteilte Kopien der Akte: den Apothekenbeleg, den Anrufverlauf, den Videoausschnitt der Eingangskamera.
Sabine erblasste beim Anblick des Bildes von sich selbst, wie sie den Inhalator in ihre Tasche gleiten ließ.
"Das ist eine Manipulation," rief sie, die Stimme wankend. "Sie haben dieses Bild aus dem Zusammenhang gerissen."
"Der Zusammenhang," antwortete Rechtsanwalt Berger ruhig, "ist, dass Ihr sechsjähriger Enkel fünf Tage, nachdem Sie laut diesem zeitgestempelten Video seinen Inhalator von seinem gewohnten Platz entfernt und die Einstellungen des Telefons seiner Mutter verändert haben, um jede Kommunikation mit seinem Vater zu blockieren, einen schweren Asthmaanfall hatte."
Julians Onkel, bis dahin still, wandte sich Sabine zu, das Gesicht ernst.
"Sabine, ist das wahr?"
Bevor sie antworten konnte, ergriff Vanessa das Wort, die Stimme zitternd, aber klar.
"Es ist wahr. Mama hat mir diesen Plan vor zwei Monaten vorgeschlagen. Sie wollte glauben machen, dass Lena nicht in der Lage sei, sich um Finn zu kümmern, um die Kontrolle über den Fonds zu bekommen und mir heimlich zu helfen, meine Spielschulden zurückzuzahlen."
Ein schweres Schweigen legte sich über den Raum.
"Vanessa," flüsterte Sabine, schockiert. "Du hast mir versprochen—"
"Ich habe es dir versprochen, bevor ich verstanden habe, dass Finn hätte sterben können, Mama. Ich kann nicht mehr schweigen."
Notar Weber tauschte einen Blick mit den beiden anderen Ratsmitgliedern, wandte sich dann an Sabine, im offiziellen Ton.
"Frau Falkner, angesichts der vorgelegten Elemente lehnt dieser Rat Ihren Antrag auf alleinige Verwaltung ab. Zudem müssen wir über Ihren Verbleib als Mitglied des Familienrats entscheiden, angesichts der Schwere der heute offengelegten Tatsachen."
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Sabine stand auf, zitternd, antwortete aber nicht.
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